Manien

Die Manie ist die einzige psychische Störung, die viele Kranke als angenehm erleben. Die gehobene, heitere Stimmung, die unermüdliche Betriebsamkeit, der Verlust von Hemmungen, die tausend großartigen Ideen, das ins Maßlose bis zum Größenwahn anwachsende Selbstbewusstsein empfinden nicht wenige als positive Steigerung des Lebensgefühls, als willkommenen Ausbruch aus der Enge des normalen Daseins.

Manche Kranke berichten aber auch schon während der manischen Phase, dass ihr Zustand qualvoll sei, dass sie ihn selbst als unecht, persönlichkeitsfremd und voller Getriebenheit und Hetze erleben. Bei manchen Formen von Manien steht nicht die Heiterkeit im Vordergrund, sondern Gereiztheit.

Solche Kranke sind nicht in der Lage, von Anderen Abstand zu halten. Sie erleben unablässig Zusammenstöße mit anderen Menschen und die Ideenflut im Kopf führt zur Verworrenheit ihres Denkens. Schwerwiegend sind oft auch die Folgen unübersichtlicher finanzieller Unternehmungen, die aus manisch bedingten Größenideen heraus begonnen werden.

Wir sind immer wieder beeindruckt, wie es Patienten gelingt, während einer manischen Phase ohne eigenes Geld ein Haus oder einen Rolls-Royce zu kaufen, ein Ballett oder ein Orchester zu verpflichten und eine Veranstaltungshalle in einer Großstadt zu mieten. Weder für die Betroffenen noch für deren Familie sind die Folgen solcher Erfahrungen lustig.

Wenn die Symptome ausgeprägt sind, ist die Diagnose einer Manie leicht zu stellen. Schwieriger ist es, wenn schon die Grundpersönlichkeit über der normalen Stimmungslage angesiedelt ist und die Symptome nur leicht ausgeprägt sind. Dann bedarf es einer sorgfältigen Erhebung der Vorgeschichte. Allfällige organisch bedingte manische Symptome oder manische Begleiterscheinungen bei paranoiden Schizophrenien müssen davon unterschieden werden.

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Merkmale der Manie

Eine abgegrenzte Periode einer abnormen und anhaltend gehobenen, expansiven oder reizbaren Stimmung, in der drei, wenn nicht vier der folgenden Symptome in ausgeprägtem Maß vorhanden sind:

  • gesteigertes Selbstwertgefühl oder Größenideen;
  • vermindertes Schlafbedürfnis (z. B. nur noch drei Stunden);
  • ungewöhnlich redselig bis unaufhörlich redend;
  • Ideenflucht oder die subjektive Erfahrung des Gedankenjagens;
  • Ablenkbarkeit durch alle Dinge der Umgebung;
  • Steigerung zielgerichteter Aktivität oder psychomotorische Unruhe;
  • exzessive Beschäftigung mit angenehmen Aktivitäten, die mit großer Wahrscheinlichkeit unangenehme Konsequenzen haben;
  • schließlich sollte die abnorm veränderte Stimmungslage so schwer ausgeprägt sein, dass sie die berufliche Leistungsfähigkeit deutlich beeinträchtigt.

Für Angehörige wie Behandelnde ist es wichtig, sich weder von der Heiterkeit noch von der Aufdringlichkeit und Aggressivität provozieren zu lassen. Witzigkeit oder Redseligkeit sollten nicht in gleicher Weise beantwortet werden. Trotzdem sollte man den Patienten als Person ernst nehmen. Zurückhaltung ist geboten und – sofern irgend möglich – sollte man den betroffenen Kranken sprechen lassen und ihm zuhören. Dadurch kann zumindest vorübergehend eine Beruhigung eintreten.

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Behandlung

Die Behandlung manisch Kranker ist nicht zuletzt deshalb schwer, weil sie selbst nicht von ihrer momentanen Verfassung befreit werden wollen. Eine Zusammenarbeit ist deshalb nur mühsam zu erreichen. Behandelnde müssen damit rechnen, dass die Kranken ihre Medikamente nur unzuverlässig einnehmen. So weit möglich sollten Außenreize vermindert werden. Zuwendung und Großzügigkeit sind gefragt bei dem größten Spielraum für den Kranken, der möglich ist. Gleichzeitig sollte dieser vor weiteren unbesonnenen Handlungen geschützt werden.

Medikamentös ist in der akuten Phase eine Behandlung mit hochpotenten Neuroleptika sinnvoll. Auch einzelne Antipsychotika der zweiten Generation, etwa Olanzapin, kommen in Betracht. Diese können durch eine dämpfende Medikation ergänzt werden. Eine Lithiumbehandlung ist vor allem bei wiederkehrenden manischen und manisch-depressiven Episoden hilfreich. Manche manisch Kranke reagieren sogar auf die Behandlung nur mit Lithium besser als auf Neuroleptika. Das Problem besteht jedoch darin, dass in der Kombination von Haldol und Lithium Intoxikationszustände (Vergiftungszustände) vorkommen können. Außerdem ist für die Lithiumbehandlung eine konsequente Einnahme und die Zusammenarbeit mit den betroffenen Kranken ausschlaggebend. Gerade dies aber kann problematisch sein.

Eine andere Zusatzbehandlung bietet sich durch Carbamazepin-Behandlung mit Lithium oder Carbamazepin bzw. Valproat empfiehlt sich vor allem bei manisch-depressiven Erkrankungen, insbesondere bei solchen mit schnellem Phasenwechsel.

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Literatur

Internet

  • Deutsche Gesellschaft für bipolare Störungen: www.dgbs.de

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Asmus Finzen: Habilitation und Professur für Sozialpsychiatrie in Tübingen, ab 1975 Direktor des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wunstorf. Bis 2003 stellvertretender Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Basel.

Text von Asmus Finzen und Ulrike Hoffmann-Richter aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. Auflage 2014

Bücher zum Thema

Thomas Bock, Andreas Koesler: Bipolare Störungen verstehen und behandeln. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2005.