Leitlinien für Psychopharmaka

Der Beginn jeder Psychopharmakabehandlung sowie alle Detailfragen gehören in der Regel in fachärztliche Hände, das Herabsetzen oder vollständige Absetzen einer neuroleptischen Medikation ebenso. Ist das Vertrauen in den Arzt oder die Ärztin in dieser Hinsicht nicht ausreichend, sollte ein Wechsel in Betracht gezogen werden. Wichtig für Betroffene und Angehörige sind folgende Leitlinien:

  • Keine Selbstmedikation ohne eigene Erfahrung mit dem betreffenden Medikament und ohne Kenntnis von Wirkung, Dosierung und Nebenwirkungen!
  • Jede Dauerbehandlung erfordert eine regelmäßige Einnahme, damit sie in der erwarteten Weise wirken kann. Erfahrene Patientinnen und Patienten können ein Reservemedikament haben, mit dem sie »jonglieren« können, je nach belastenden oder guten Tagen.
  • Alle neu aufgetretenen, verunsichernden und ängstigenden Beschwerden sollten möglichst bald mit dem Arzt besprochen werden.
  • Kein Medikament abrupt absetzen!

Wenn nicht sicher ist, ob der Patient richtig beraten ist, können folgende Leitlinien Orientierung geben:

  • Vor jeder Medikamentenverordnung sollte eine sichere Diagnose stehen, ebenso das Wissen um Vorbehandlung und Vorerfahrungen mit verschiedenen Medikamenten.
  • Eine Aufklärung über Wirkung, Dosierung, Verlauf der Behandlung, Nebenwirkungen und notwendige Untersuchungen sollten auf jeden Fall stattfinden.
  • Der Kranke oder die Kranke sollte in jede medikamentöse Behandlung so bald wie möglich aktiv mit einbezogen werden. Das Motto heißt »Verhandeln statt behandeln«.
  • Patienten sollten die Gewissheit haben, dass sie mit neuen Beschwerden, unsicheren Situationen oder beängstigenden Ereignissen auf jeden Fall den Rat ihres Arztes einholen können.

In manchen Situationen ist es inzwischen üblich, die psychotherapeutische Behandlung und die medikamentöse Behandlung auf verschiedene Ärzte zu verteilen. Dann ist es erst recht wichtig, dass nicht nur der Psychotherapeut, sondern auch der »Medikamentenarzt « über fundierte Erfahrung verfügt.

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Text von Asmus Finzen aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. Auflage 2014

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Nils Greve, Barbara Diekmann und Margret Osterfeld: Reduzieren und Absetzen von Neuroleptika als PDF-Datei (76 KB) herunterladen.