Lithiumsalze

Eine ganz andere Funktion haben die Lithiumsalze (z. B. Quilonum, Hypnorex). Durch die regelmäßige Lithiumgabe lassen sich bei drei Viertel manisch-depressiv Kranker weitere depressive und manische Phasen verhindern. Bleibt diese Wirkung aus, so ist doch eine deutliche Verkürzung, ein geringerer Schweregrad und ein selteneres Auftreten zu beobachten. Diese schützende Wirkung vor erneuten manischen oder depressiven Phasen setzt allerdings häufig erst nach drei bis sechs Monaten ein. Deshalb soll die Lithiumgabe während der Krankheitsphase nicht unterbrochen werden.

Die vorbeugende Wirkung des Lithiums ist nur bei phasischen Depressionen oder Manien, also bei der manisch-depressiven Krankheit zu erwarten. In Einzelfällen ist sie auch bei schizoaffektiven Psychosen, d. h. bei Patienten mit schizophrenen und manisch-depressiven Symptomen, zu beobachten. Bei neurotischen Depressionen ist das Lithium unwirksam.

Da die Behandlung mit einigen Belastungen verbunden ist, Nebenwirkungen hat und über Jahre geplant werden muss, darf sie nicht ohne sorgfältige fachärztliche Klärung begonnen werden.

Vor Beginn der Behandlung hat deshalb eine ausführliche internistische Untersuchung zu erfolgen. Während der Behandlung muss regelmäßig der Blutspiegel, die Blutsalze, das Körpergewicht und der Halsumfang kontrolliert werden. Die Dosierung muss individuell erfolgen. Die Einnahme nur einmal pro Tag ist möglich, bei zwei Einnahmen pro Tag im Zwölfstundenabstand ist die Wirkung stabiler.

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Nebenwirkungen

Als harmlose Nebenwirkung tritt häufig ein feines Zittern auf. Bei Überdosierung treten stärkeres Zittern, Übelkeit, Durchfälle, Erbrechen, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Muskelschwäche, Schwindel und Störungen des Bewegungsablaufes auf. Bei einer akuten Vergiftung tritt außerdem eine Benommenheit bis zur Bewusstlosigkeit oder gar ein Koma ein.

Nicht eingenommen werden dürfen Lithiumsalze bei schweren Herz- und Nierenerkrankungen, bei Schilddrüsenüberfunktion, einer Erkrankung der Nebennierenrinde und allen anderen Erkrankungen, bei denen die Einnahme von harntreibenden Medikamenten oder eine kochsalzarme Diät erforderlich sind.

Eine erfolgreiche Lithiumprophylaxe verlangt von einem Patienten ein hohes Maß an Zusammenarbeit. Am besten sind die Erfolge, wenn er – außerhalb der manischen Phase – bis zur Zwanghaftigkeit ordentlich ist. Der Schutz vor dem Rückfall wird nicht nur erst nach monatelanger Lithiumeinnahme wirksam. Er erlischt nach Absetzen der Behandlung rasch. Deshalb können Unregelmäßigkeiten und kurze Unterbrechungen der Medikamenteneinnahme monatelange Bemühungen um die Vermeidung eines Rückfalls innerhalb kurzer Zeit zunichtemachen.

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Asmus Finzen: Habilitation und Professur für Sozialpsychiatrie in Tübingen, ab 1975 Direktor des Niedersächsischen Landeskrankenhauses Wunstorf. Bis 2003 stellvertretender Ärztlicher Direktor der psychiatrischen Universitätsklinik in Basel.

Text von Asmus Finzen aus BApK (Hg.): Mit psychisch Kranken leben. Rat und Hilfe für Angehörige. Balance buch + medien Verlag, 5. Auflage 2014