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Die Bedeutung der Hypnose bei der Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen nimmt immer mehr zu. In der Öffentlichkeit herrscht jedoch noch ein Bild von der Hypnose vor, das durch Bühnenshows, Film und Comics geprägt ist. Kein Mensch kann durch Hypnose zu etwas gezwungen werden, was nicht seiner Moral entspricht. Aber genau dieses Vorurteil transportieren die Medien. Die klinische Hypnose ist unspektakulär und hat mit Bühnenzauber nichts zu tun. Sie eröffnet aber sehr vielfältige therapeutische Möglichkeiten.
Ein stechender Blick, beschwörendes Gemurmel - und schon nimmt das Unheil seinen Lauf. Der verzauberte Mensch ist nun ein willenloses Werkzeug, fremdgesteuert und kann für alle Schandtaten missbraucht werden. So oder ähnlich wird in Filmen, Romanen und Comics das Phänomen der Hypnose dargestellt. Sogenannte Showhypnotiseure gaukeln dem staunenden Publikum gleichfalls die Möglichkeit vor, Menschen zu Marionetten machen zu können. Mit der Wirklichkeit haben diese Vorstellungen von Hypnose allerdings nichts gemein. Deren Bedeutung bei der Behandlung psychischer und anderer Erkrankungen nimmt immer mehr zu. Und auch Zahnärzte arbeiten zunehmend mit Hypnose, um Patienten Ängste zu nehmen oder auf Narkose verzichten zu können. Die Hypnose gehört zu den ältesten Methoden der Schmerzkontrolle. Weil Klienten von einem tiefen Entspannungszustand nach der Behandlung sprechen, der dem des Schlafes sehr ähnlich ist, wurde er nach Hypnos benannt, dem griechischen Gott des Schlafes. Dabei befindet sich der Hypnotisierte in einem anderen Bewusstseinszustand: er nimmt die Umwelt – anders als während des Schlafes – immer noch wahr. Der Hypnotisierte denkt eher in emotional getönten Bildern, die unkontrolliert auftreten und logisch ungeordnet sind.
Methoden zur Hypnose
Es existieren verschiedene Methoden zur Hypnose, zur Selbstversenkung. Die bekannteste: Das autogene Training. Letztlich ist jede Hypnose eine Selbsthypnose. Rainer Geerken, heilkundlicher Psychotherapeut in Hamburg, stellt klar: "Fast jeder ist hypnotisierbar. Die Literatur spricht von 90 bis 95 Prozent, die hypnotisierbar sind." Dr. Georg Franzen, klinischer Hypnosetherapeut aus Celle, verdeutlicht: "Nur die Trancetiefe ist unterschiedlich. Aber gegen den Willen eines Menschen kann dieser nicht hypnotisiert werden." Letztlich gilt: Nur wenige können Hypnose überhaupt nicht erfahren, nur wenige können Hypnose in einem besonders hohen Maße erfahren, aber den meisten Menschen ist es möglich, eine mittlere Hypnosetiefe zu erleben, die für eine Therapie völlig ausreicht. Der hypnotische Zustand ist nicht gefährlich, meint Georg Franzen. Das Menschen Dinge über sich erzählen, wovon man nach dem Aufwachen nichts mehr weiß, treffe nicht zu. "Keiner kann auch unter Hypnose zu etwas gebracht oder gezwungen werden, was nicht seiner Moral entspricht." Fremdgesteuerte Menschen, die zu Killern abgerichtet werden können, entsprechen also nur der Phantasie von Roman- oder Drehbuchautoren, haben aber mit der Wirklichkeit überhaupt nichts zu tun. Hinzu kommt: Man kann nur dann hypnotisiert werden, wenn man es auch tatsächlich will, also innerlich dazu bereit ist.
Die modernen Hypnoseformen leiten eine mittlere Trance ein, bei der der Patient immer noch ansprechbar ist. Fünf bis zehn Minuten dauert die Einleitungsphase. Ziel ist es, den Patienten in einen entspannten Zustand zu versetzen. Franzen: "Nur mit dem Klang der Stimme und einer langsamen Frequenz wird die Tiefenentspannung eingeleitet." Diesen Zustand könnte man mit jenem vergleichen, wie man ihn kurz vor dem Einschlafen erlebt, wenn die Umwelt zurücktritt, der Körper zur Ruhe kommt und man in spontan auftretenden Bildern denkt. Letztlich ist die Trance ein Zustand, bei dem die gesamte Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache gerichtet ist, sodass man die restliche Umgebung "aus dem Auge" verliert. Will der Behandler etwa eine Untersuchung angenehmer machen, wird er versuchen, die innere Aufmerksamkeit auf positiv besetzte innere Bilder zu lenken (etwa Urlaub). In der Regel kann sich der Hypnotisierte aber an alles erinnern, was gesprochen wurde.
Hypnose bei Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen oder in der Traumatherapie
So unspektakulär der hypnotische Zustand für den gemeinen Betrachter ist, so vielfältig werden von den Therapeuten die Möglichkeiten für dessen Nutzung angesehen. Besonders in der Psychotherapie ist die Hypnose zum Trend geworden. Franzen: "Durch Imagination wird ein sicherer Ort geschaffen zum zur Ruhe kommen. Der Körper speichert Erfahrungen, und auf diese kann während der Hypnose zurückgegriffen werden. Es ist ein Abrufen innerer Bilder." Franzen setzt die Hypnose unter anderem bei Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen oder in der Traumatherapie ein. Es können mit ihr aber auch Zwänge und Essstörungen, Süchte (etwa Rauchen), Schlafstörungen und sexuelle Störungen behandelt werden. Rainer Geerken, der Hypnotherapie nach Erickson anbietet, arbeitet mit Hypnose auch in der Paartherapie.
Ein wichtiges Anwendungsgebiet der klinischen Hypnose sind die Psychosomatischen Störungen, also körperliche Erkrankungen, die als Folge seelischer Belastungen und Konflikte auftreten – zumeist im Zusammenhang mit permanenten beruflichen oder privaten Problemen. Dazu zählen neben chronischen Schmerzen, Herz-Kreislauf-Problemen oder Magen-Darm-Erkrankungen (Morbus Crohn) auch Hauterkrankungen (Neurodermitis) sowie Erkrankungen der Atemwege oder des Nervensystems.
Bei der psychotherapeutischen Behandlung ist die sogenannte Altersregression von Bedeutung. Hierbei erlebt der Patient eine problematische Vergangenheit wieder – so als würde es jetzt passieren. Der Therapeut hilft ihm, verdrängte Erlebnisse wieder zu erinnern, aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, mit einer anderen Bedeutung zu versehen und mit einem angemessenen Gefühl zu empfinden.
Das totale Entspannungsgefühl kann man auch in den eigenen vier Wänden erreichen. Es gibt CDs, die den Zuhörer in den angenehmen Trance-Zustand versetzen sollen. Aber aufgepasst: Diese Scheiben sollten nicht während einer Autofahrt eingelegt werden. Ein Sekundenschlaf könnte die tödliche Folge sein. Michael Freitag
Zweifelhafte Tricks bei Bühnenhypnose: Shows arbeiten mit unterschwelligem Druck
Bühnenhypnotiseure versetzen ihr Publikum immer wieder ins Staunen, wenn sie ihr Medium vorführen. Dabei bedienen sie sich einfachster Tricks zur Erzielung oberflächlicher Effekte – ohne Rücksicht zu nehmen auf die Würde und Individualität des einzelnen Menschen. Ein paar dieser Tricks seien hier genannt: Gerne lassen sie etwa Leistungen vorführen, die eigentlich jedem Menschen möglich sind. So ist das Liegen auf einem Nagelbrett, wenn das Körpergewicht gleichmäßig verteilt ist, kein Problem. Auch die Kataleptische Brücke, bei der das Medium zwischen zwei Stühlen liegt und mit Gewicht belastet wird, ist keine Sensation. Scharlatane arbeiten auch mit Äther oder führen durch Griffe an die Halsschlagader eine Bewusstlosigkeit herbei. Hinzu kommt noch, dass die "Showhypnotiseure" mit einem großen Erwartungsdruck arbeiten. Das Publikum möchte, dass sich das Medium so verhält, wie es vom "Hypnotiseur" suggeriert wird. Und aufgrund dieses unterschwelligen Drucks verhalten sich dann Menschen wie gewünscht, plärren wie kleine Kinder oder gackern wie Hühner. Sie wollen den Ablauf und Erfolg der Show nicht gefährden. Außerdem ist der Applaus für den „Hypnotiseur“ auch ihr Applaus.
Fazit: Die Bühnenhypnose hat mit einer medizinischen Hypnose nichts zu tun und gefährdet teilweise die "Medien". So kann etwa eine „Rückführung“ bei einer Showhypnose zu schweren Schäden bei den Betroffenen führen. In vielen Ländern ist sie deshalb verboten worden.
Stichwort Hypnose
Schon in der Steinzeit waren hypnotische Zustände bekannt. Wissenschaftlich wurde die Hypnose aber erst um 1770 von Dr. Franz Anton Mesmer (1734 – 1815) wiederentdeckt. Dieser experimentierte mit Magneten, welche er den Patienten auflegte. 1843 prägte Dr. James Braid den Namen Hypnose, da er fälschlicherweise dachte, dass Hypnose etwas mit Hypnos, dem griechischen Gott des Schlafes zu tun habe.
Sigmund Freud (1856 – 1939) wurde auf die Experimente Mesmers aufmerksam und versuchte selbst, mit dieser Methode seine Patienten zu behandeln. Später ließ er sie jedoch wieder fallen. Milton H. Erickson begründete eine neue Form der Hypnotherapie, die heute als die modernste Form der Hypnose gilt und aus der sich drei weitere psychologische Methoden wie etwa das Neurolinguistische Programmieren (NLP) entwickelten.
Die klassische Hypnose, wie sie noch Sigmund Freud betrieb, versuchte eine Trancetiefe zu erreichen. Die moderne Hypnose leitet eine mittlere Trance ein, bei der der Patient gut ansprechbar ist. In Deutschland gibt es diverse Fachgesellschaften für Hypnose, die für eine seriöse Ausbildung der Therapeuten stehen.
Was erlebt der Patient bei einer Hypnose? Zum einen nimmt er störende Geräusche nicht mehr wahr, Folge einer Einengung der Aufmerksamkeit. Scheinbar wird die Bereitschaft zur Reizverarbeitung in den primären visuellen und akustischen Zentren reduziert. Ferner treten bei ihm nicht suggerierte Veränderungen in der Körperwahrnehmung auf: Beine oder Arme werden als länger oder kürzer wahrgenommen, Körperteile scheinen nicht mehr vorhanden, es besteht ein Schwere- oder Leichtigkeitsgefühl. Im Vergleich zum Wachzustand erscheinen die visuellen Vorstellungen klarer ("Es war so, als ob ich dagewesen wäre"). Hinzu kommen eine verzerrte Zeitwahrnehmung, eine erhöhte Suggestibilität, ein leichterer Zugang zu den Gefühlen, das Ausblenden äußerer Reize. Dies führt dazu, dass es auch keine Schmerzwahrnehmung mehr gibt, was sich etwa Zahnärzte auch zunutze machen. Außerdem wurde eine Reduktion der körperlichen Funktionen, die durch das autonome Nervensystem gesteuert sind, festgestellt. Dazu zählen die Abnahme der Atemrate, Herzschlagrate und des systolischen Blutdrucks.
Die Schmerzkontrolle unter einer Hypnose bietet eine verträgliche Ergänzung oder Alternative zu lokal wirksamen Betäubungsmitteln. In einem Trance-Zustand können Blutungen und Speichelfluss kontrolliert werden. Nach dem Eingriff wird das Zahnfleisch im Gegensatz zur noch Stunden andauernden Lokalbetäubung schneller vollständig durchblutet. Dadurch heilt die Wunde besser ab. Operationen in Hypnose sind möglich. Allerdings bedarf es einer gründlichen Vorbereitung. Die Ärzte müssen darauf achten, was sie sagen, denn der Patient hört mit. (frg)
(frg) in Eppendorfer 3/2005
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