Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Widerstand zwecklos – Wie unser Leben leichter wird, wenn wir es annehmen, wie es ist

Das Buch von Andreas Knuf ist mir durch seine Aufmachung und Botschaft positiv zwischen den vielen Ratgebern zur Selbstoptimierung aufgefallen. In diesem Buch geht es nicht darum, ungenutzte Potenziale auszuschöpfen und die »beste Version« seiner selbst zu erschaffen, sondern das Leben mit all seinen Widrigkeiten anzunehmen, wie es ist, und sich selbst und andere anzuerkennen. Diese Haltung ist erfrischend. Wir müssen nicht nach Perfektion streben, um zufriedener zu werden, sondern vielmehr lernen, Dinge zu akzeptieren. Das klingt banal, beim Lesen des Buches wird aber deutlich: Einfach ist das nicht.

Schicksalsschläge, Ärgernisse und Ungerechtigkeiten gehören genauso wie freudige Ereignisse und Entwicklungen zum Leben dazu. Sie lösen jedoch unangenehme Gefühle aus, gegen die wir uns instinktiv »wehren« – wir kämpfen gegen sie an oder versuchen, sie zu verdrängen. Wenn wir es schaffen, zu allem Ja zu sagen, was uns das Leben bereithält – sei es angenehm oder unangenehm –, können wir zu innerer Ruhe und Zufriedenheit finden. Annahme bedeutet nicht, dass wir eine Situation gut finden müssen, sondern, dass sie so sein darf, wie sie ist. Das leuchtet ein: Aber wie können wir »widerstandsloser« werden und Akzeptanz kultivieren?

Um eins vorwegzunehmen: Akzeptanz kann nicht durch bestimmte Techniken eingeübt werden. Es ist ein innerer und intensiver Prozess, der sich auch nicht durch die Lektüre des Buches einstellt. Was das Buch aber tut, ist, seine Leserinnen und Leser dazu einzuladen, die eigene Einstellung Widerständen gegenüber zu überdenken und sich so den Geschenken des Lebens zu öffnen.

Nah an seinen Leserinnen und Lesern wählt der Autor Beispiele aus dem Leben und Biografien, mit denen ich mich gut identifizieren konnte. Und diese machen die Lektüre auch so spannend. Der Weg zu einer annehmenden Haltung ist von Person zu Person unterschiedlich, genauso wie die Herausforderungen, die das Leben an einen stellt, verschieden sind. Jeder muss selbst zu dieser inneren Haltung finden. Annahme bedeutet dabei nicht, passiv in einer Situation zu verharren, sondern kann neue Wege öffnen. Meditation und Achtsamkeit können auf dieser Reise unterstützen, nehmen im Buch aber nicht zu viel Raum ein.

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle noch die einfach zugänglichen Übungen und »Pausezeichen«, die zu einer Unterbrechung der Lektüre einladen und die Inhalte in gute »Häppchen« aufteilen. So hat mich das Buch in erster Linie inspiriert, das Leben auf andere Weise zu sehen. Ich wünsche dem Buch, dass es noch viele für sich entdecken.

Katrin Klünter in Psychosoziale Umschau

Letzte Aktualisierung: 24.04.2020