Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Trost und Hoffnung für den Genesungsweg

Die Erfahrung einer psychischen Erkrankung kann die Grundfesten der betroffenen Person erschüttern. Schwere psychische Erkrankungen wirken sich auch auf das Beziehungsnetz der betroffenen Person aus, das über die Zeit entsprechend weitmaschiger werden kann. Der Weg zurück ins Leben ist u.a. geprägt durch den Wiederaufbau von Beziehungen, sei es zu Menschen mit vergleichbaren Erfahrungen, zu Familienmitglieder und Freunden oder allgemein zur Gesellschaft. In der Recoveryliteratur werden fünf wesentliche Prozesse der Genesungsreise beschrieben. Diese Prozesse sind »Hoffnung und Optimismus«, »positive Identität«, »Bedeutung und Sinn«, »Empowerment« und »Verbundenheit«. Die hier besprochene Arbeitshilfe »Trost und Hoffnung für den Genesungsweg« ermöglicht die Unterstützung von Menschen mit psychischen Erschütterungen in allen diesen Prozessen.

Die Autorinnen Marie Boden und Doris Feldt haben ein sehr hilfreiches und nützliches Angebot für die recoveryorientierte Praxis verfasst. Die Arbeitshilfe stellt einen reichen Fundus an praxisbezogenen und theoriebasierten Unterlagen dar. Sie kann helfen, Gruppenangebote in den unterschiedlichsten Bereichen der Psychiatrie bis hin zur Selbsthilfeangebote zu konzipieren.

Die dialektisch-behaviorale Therapie bildet die theoretische Grundlage des Konzeptes. Zusätzlich sind jahrelange praktische Erfahrungen im Leiten von Gruppenangeboten miteingeflossen.

Zu Beginn werden allgemeingültige und nützliche Informationen zur Planung und Durchführung eines entsprechenden Gruppenangebots dargelegt. Danach folgt ein wahrer »Werkzeugkasten« an Materialien zur inhaltlichen Gestaltung der Gruppen. Diese lassen sich wie folgt unterteilen:

  • Wissenswertes, z.B. Infoblätter zu Recovery, Resilienz und Peerarbeit
  • Vorsorge treffen, z.B. mit Selbstfürsorge und Achtsamkeit
  • Abschied, Trauer, z.B. Loslassen und zur Ruhe kommen
  • Neues wagen, z.B. auf Entdeckungsreise gehen
  • Trost, z.B. sich liebevoll begegnen, Geborgenheit finden
  • Hoffnung, z.B. Zuversicht, Verbündete suchen

Die einzelnen Themen werden kurz eingeführt, dann angereichert mit Beiträgen von Peers und Genesungsbegleiter, die das jeweilige Thema aus ihrer Sicht behandeln. Die Materialien sind verständlich verfasst und übersichtlich gestaltet. So kann man diese sogleich als Input für die eigene Praxis nutzen. Die Nutzung der Materialien wird dadurch noch erleichtert, dass diese zum Download bereitstehen. Sehr hilfreich erscheinen auch die praktischen Hinweise und Tipps der Autorinnen, wie man bei der Umsetzung mit allfälligen Problemen und Schwierigkeiten umgehen kann.

Für die Adressaten der Gruppen, also Menschen in Lebenskrisen, bietet die thematische Ausrichtung diese Arbeitshilfe ein auf die Zukunft gerichtetes und ihre Ressourcen aktivierendes Angebot, das zusammen mit dem Austausch mit den anderen Teilnehmenden enorm hilfreich und nützlich sein kann bei der Gestaltung der eigenen Recoveryreise.

Gianfranco Zuaboni in Psychosoziale Umschau

Letzte Aktualisierung: 16.04.2018