Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

HumorCare

Das ist mal ein Beipackzettel, den man gerne liest: Humor hat so viele positive Wirkungen, lernen wir in dem von Christoph Müller herausgegebenen Buch »HumorCare«, dass ihre Aufzählung locker eine ganze Seite füllt: Angst- und Schmerzreduktion sind dabei, eine Stärkung des Immunsystems; Humor fördert die Kreativität, erleichtert es, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, die eigenen Ressourcen (und die des Gegenübers) zu aktivieren, er schenkt Selbstakzeptanz, entlastet, reduziert Scham und vertreibt Apathie und Müdigkeit.

»Warum zahlt das nicht die Kasse?« fragt der Arzt und Komiker Eckart von Hirschhausen, einer von zwanzig Autorinnen und Autoren, die das Thema von allen Seiten beleuchten, und antwortet auch gleich selbst: Weil es an guten Studien fehlt, die Nutzen und Wirksamkeit belegen. Diese wiederum gibt es kaum, weil man Humor nicht in Pillenform mit gutem Profit verkaufen kann. Hirschhausens Stiftung »Humor hilft heilen« hat immerhin untersuchen lassen, wie sich eine Humorschulung für Pflegekräfte auswirkt. Dabei kam heraus: Bereits ein Workshop von zweimal drei Stunden hob bei den 2.500 teilnehmenden Mitarbeitern des evangelischen Johanniswerks in Bielefeld spürbar die Laune; sie gaben an, danach besser mit anderen Menschen in Kontakt treten zu können, eine spielerischere Einstellung im Beruf aufzubauen und ihre Teamkollegen von einer anderen Seite zu sehen.

Dem »Heiterkeitsbuch für Pflege- und Gesundheitsberufe« sind also viele Leserinnen und Leser zu wünschen. Umso mehr, als schon dem etwas zu vollgepackten Inhaltsverzeichnis zu entnehmen ist, dass Humor nicht nur den beruflich Tätigen im Gesundheitssektor guttut, sondern seine positiven Wirkungen etwa auch im Hospiz, auf der Demenzstation und im Maßregelvollzug entfaltet. Inspirierend ist die Idee des Fachpflegers für Psychiatrische Pflege, Jonathan Gutmann, bei der Anamnese den Patienten nicht nur nach seinen Gebrechen zu fragen, sondern auch nach seiner Haltung zu Humor und Lachen – um daran dann in der Beziehung und Behandlung anzuknüpfen.

Beim Lesen des Buches spürt man, wie allein die gedankliche Beschäftigung mit dem Thema eigene Humorressourcen auf den Plan ruft. Und was ist das denn eigentlich: Humor? Eine einzige allgemeingültige Definition gibt es nicht, aber wenn man sich Humor als eine heitere Akzeptanz des Lebens gerade auch mit seinen Widrigkeiten vorstellt, macht man nichts falsch. Humor ist eine Urkraft in uns, die sich übend stärken lässt. Sie schenkt Gelassenheit und macht zugleich wehrhaft. Denn wer über seine Mängel lachen kann, schafft es auch, sich im Vertrauen auf den eigenen Wert nicht von anderen überwältigen zu lassen – selbst, wenn einem die schlagfertigen Antworten auf verbale Attacken immer erst zu Hause einfallen. Der Wiener Psychoanalytiker Alfred Kirchmayr erzählt von den zwei Juden, die beim Kartenspielen in Streit geraten. »Das nehmen Sie jetzt aber sofort zurück!« wettert der eine, »Ich denke gar nicht daran!« der andere. Darauf der erste nach kurzem Schweigen: »Nu – dann ist es auch gut.«

Cornelia Schäfer in Psychosoziale Umschau

Letzte Aktualisierung: 03.02.2020