Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Patientengruppen erfolgreich leiten

"Mach mal eben die Gruppe", ist die günstigste Aufforderung, um die Leitung von Patientengruppen für psychiatrisch Tätige in hohem Maße unattraktiv zu machen. Ängste, Unsicherheit und Inkompetenzerleben sind damit quasi vorprogrammiert.

Eine gute Vorbereitung muss sein

»Eine gute Vorbereitung muss sein!« steht für Monika Stich außer Frage. Wie diese Vorbereitung einer Gruppenarbeit mit Patienten aussehen sollte, beschreibt sie praxisnah anhand ihrer langjährigen Erfahrung im Bildungsbereich. Der für die Arbeit mit psychiatrischen Patienten zugrunde liegende Ansatz der Ressourcenorientierung, zeigt sich bereits in Stichs Einschätzung der potenziellen Gruppenleiter: "Psychiatrisch Tätige bringen beste Voraussetzungen zur Gruppenarbeit mit Klienten mit, sie wollen mit Klienten arbeiten".

Die zunächst unter ökonomischen Aspekten gedachte Einführung der Arbeit mit Patienten in Gruppen, ist heute durch gute Effekte und therapeutische Wirksamkeit legitimiert. Psychoedukationsgruppe, Genusstraining, Morgenrunde, Coaching-Gruppe und Stresstoleranzgruppe sind nur einige der Angebotstitel. Stich empfiehlt daher in einem ersten Schritt zu klären, was sich hinter dem einzelnen Label verbirgt, für wen und wozu das Gruppenangebot gedacht ist.

Auftragsklärung

So beschreibt sie, dass gerade die Besonderheit psychiatrischer Gruppen die Auftragsklärung in hohem Maße bedeutsam macht. Für die Gruppenleiter gilt es mit der Heterogenität der Zielgruppe, Störungsspezifik, Unfreiwilligkeit, Konflikthaftigkeit und unterschiedlichen Verweildauern im Rahmen stationärer und ambulanter Behandlung umzugehen.

Stich zeigt anhand von Fallbeispielen auf, dass klare Leitungsfunktion und die Weitergabe der Expertenrolle an den Patienten sich bei der Suche nach Lösungen keinesfalls ausschließen. Sie setzt sich umfassend mit schwierigen Gruppensituationen auseinander und zeigt Strategien zum Umgang damit auf.

Ansätze der Gesprächsführung

Welche Ansätze der Gesprächsführung wichtig für die erfolgreiche Arbeit mit Gruppen sind, wie Vor- und Nachbereitung der Gruppe und ein gelungener Einsatz von Medien aussehen können, dazu ist dieses Buch eine hervorragende Orientierung. Aus der Praxis weiß Monika Stich: "Das Gefühl, ich gegen den Rest der Welt, verschwindet mit dem Grad der Zunahme an Gelassenheit."

Dieser Titel sollte selbstverständliche Ausgangsbasis aller sein, die im stationären und ambulanten psychiatrischen Bereich mit Patienten arbeiten. Das Buch macht Mut, etwas zu wagen und hilft, bereits bestehende Gruppenangebote zu optimieren.

Christiane Tilly in Psychosoziale Umschau

Letzte Aktualisierung: 14.03.2017