Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Umgang mit Menschen im Maßregelvollzug

Mit diesem Buch ist es der Autorin und dem Autor gelungen, einen umfassenden Überblick über den Bereich der forensischen Psychiatrie, insbesondere aus pflegerischem Blickwinkel, zu geben. Andrea Trost, Bachelor of Nursing, ist als Pflegewissenschaftlerin, Stefan Rogge als ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger, Praxisanleiter und Stationsleiter in der LVR-Klinik Köln tätig. Beide weisen langjährige Erfahrung als pflegerische Fachpersonen im psychiatrischen Tätigkeitsfeld auf.

Neun Kapitel

Das Buch gliedert sich in neun Kapitel. Zunächst werden die rechtlichen Situation und die Aufgaben des Maßregelvollzugs vermittelt. Dabei widmen sich die Autoren unter anderem dem Spannungsfeld zwischen Justiz und Psychiatrie. Zudem erfolgen eine kritische Auseinandersetzung mit den teilweise langen Aufenthaltsdauern und den damit verbundenen Konsequenzen. Ein Fokus liegt auf milieutherapeutischen Grundsätzen sowie Interventionen, welche gut verständlich beschrieben werden. Insbesondere der Umgang mit den engmaschigen Alltagsstrukturen einer forensischen Station einerseits und andererseits der rehabilitative und nach außen orientierte Ansatz regen zur weitern Vertiefung an. Dies wird an nachvollziehbaren Beispielen veranschaulicht und verdeutlicht die komplexe Ausgangslage.

Persönliche Haltung und Beziehungsgestaltung

Die persönliche Haltung und die Beziehungsgestaltung im stationären forensischen Setting stellen einen weiteren Schwerpunkt in diesem Buch dar. Die Vermittlung von Hoffnung als zentrale Aufgabe für Pflegende im Maßregel Vollzug wird umfangreich dargelegt, wissenschaftlich untermauert und an Modellen, sowie Systemen erläutert. Es kann forensisch tätigen Pflegefachpersonen Anregungen und Hinweise in Bezug auf die professionelle Beziehungsgestaltung geben. Den Umgang mit Aggression, als eine weitere Kernthematik im forensischen Setting, greifen die Autoren im Kontext mit möglichen Risikosituationen auf und erläutern Instrumente zur Einschätzung des aggressiven Potenzials. Auch erfolgt der Einbezug von Selbstfürsorge der Mitarbeitenden.

Der Pflegeberuf im deutschsprachigen Raum durchlebt derzeit eine zunehmende Entwicklung, welche sich vor allem an der evidenzbasierten Fundierung der Pflege orientiert. In mehr und mehr Kliniken hält ein validierter Pflegeprozess Einzug, worauf die Autorinnen in verständlicher und praxisnaher Form eingehen. Des Weiteren wird die Gestaltung von Gruppentherapien thematisiert, und es werden wichtige Hinweise gegeben, wie diese inhaltlich durchgeführt werden könnten. Auch wird der Umgang mit Angehörigen erläutert.

Ausgewogene Einblicke

Zusammenfassend bietet die Lektüre des Buches Pflegenden innerhalb der Psychiatrie, Mitarbeitern anderer Berufsgruppen, Angehörigen, aber auch Betroffenen einen ausgewogenen Einblick in das Tätigkeitsfeld der forensischen Psychiatrie. Besonders vor dem Hintergrund der eher spärlichen deutschsprachigen Literatur zu forensisch-pflegerischen Themen kann das Buch zur Auffrischung bereits erworbener Kenntnisse, aber auch als Übersichtsarbeit genutzt werden. Inhaltlich wird ein breites Spektrum relevanter Themen aufgegriffen und prägnant dargelegt.

Constantin Bruttel in Soziale Psychiatrie

Letzte Aktualisierung: 23.03.2017