Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Der Boden unter den Füßen

Bei der diesjährigen Berlinale lief im Wettbewerb der österreichische Spielfilm »Der Boden unter den Füßen«, der bereits am 16. Mai in unsere Kinos kommen wird. Die Welt der Psychiatrie streift dieser Film zwar nur am Rande, aber mit gravierendem Einfluss.

Die junge und dynamische  Lola (präzise verkörpert von Valerie Pachner) arbeitet in einer Unternehmensberatung. Gerade ist ihre Firma in Rostock zugange, um einen Betrieb zu sanieren. Von ihrer aufgeräumten Wohnung in Wien fliegt Lola im Business-Outfit nach Rostock, schläft im Hotelzimmer und mit ihrer Chefin, joggt am frühen Morgen durch die Stadt oder trainiert im Gym. Als sie gerade in Wien ist, erreicht sie ein Anruf aus dem Spital; ihre ältere Schwester Conny hat versucht, sich mit 120 Schlaftabletten zu suizidieren. Lola ist Vormund ihrer Schwester und kennt das schon. Conny leidet an einer paranoiden Schizophrenie, ungefähr einmal im Jahr gerät sie in eine Krise.

Lola versucht nun, die Besuche im Krankenhaus, die Versorgung von Connys Kater und ihre 100-Stunden-Woche in Rostock unter einen Hut zu bekommen. Ein paar Tage später: Conny soll entlassen werden mit regelmäßigen Besuchen durch den ambulanten psychosozialen Dienst. Das will Conny nicht, und Lola akzeptiert die Weigerung ihrer Schwester. Sie verkauft deren Wohnung, holt sie zu sich und organisiert die Versorgung mit Mahlzeiten. Lässt sich tatsächlich alles wie ein Businessplan effektiv organisieren ?

Der Film fokussiert sehr stark auf die junge, gehetzte Managerin, schnurstracks auf dem Weg in den Burnout. Die große Schwester findet hingegen wenig Beachtung; für die psychische Störung und die Unterstützung nach der stationären Behandlung interessieren sich der Film und die ehrgeizige Lola nur am Rande. Geht es darum, wer denn nun eigentlich das verrücktere Leben führt? Dann wäre es schön gewesen, der psychosekranken Schwester ein wenig Recovery zu gönnen. Der Film wolle zu viel auf einmal, war eine mehrfach geäußerte Kritik. Und gleichzeitig wagt der Film zu wenig, finde ich.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 20.02.2019