Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie
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Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker
Psychiatrie Verlag

Die beste aller Welten

Am Anfang ein wunderschönes Lagerfeuer am Ufer der Salzach. Junge Männer singen zur Gitarre, sie rauchen, kiffen und trinken, unter ihnen der siebenjährige Adrian und seine Mutter Helga. „Ich will auch einmal ein Abenteurer werden“ sagt er, als er eine Pfeilspitze findet. Ein kleines Feuerwerk ist der perfekte Abschluss dieser Sommernacht. Helga packt Adrian an der Hand, gemeinsam rennen sie nachhause, und routiniert räumen sie blitzschnell auf und putzen die Wohnung.

Pünktlich klingelt der Sozialarbeiter vom Jugendamt. Er ist skeptisch, ob Helga Adrians Erziehung trotz ihrer Sucht bewältigt. Plötzlich hechtet ein Langhaariger über das Balkongeländer und steht im Zimmer. Verblüfft verabschiedet sich das Jugendamt, und Helga schimpft mit dem „Griechen“, ihrem Dealer. Dann kehrt der Alltag in der kleinen Wohnung wieder ein. Adrian spielt und träumt und sitzt zwischen den Junkies, die einer nach dem anderen in der Schlafstube verschwinden, um dann bedröhnt herumzuliegen. Er wundert sich nicht, er kennt es nicht anders. Seine Mutter versucht, alle Widersprüche auszugleichen, trotz ihrer Sucht eine gute Mutter zu sein.

Und das gelingt ihr auf eine seltsame Art. Als sie ein Opiumgemisch produziert und in eine Flasche füllt stellt sie sofort ein zweites, drogenfreies Getränk her und paukt ihm ein, welche der beiden Flaschen für ihn gedacht ist. Ihren Job an einer Würstelbude verliert sie wieder. Ab und zu taucht die Polizei auf, dann verschwindet einer der Besucher im Bettkasten. Adrian schmuggelt Zigaretten und Feuerwerkskörper in die Schule und bekommt Ärger. Er soll in den Hort, doch er weigert sich hartnäckig. Er liebt es mit seiner Mutter Helga zusammen zu sein, an der Salzach oder in der verräucherten Wohnung. Bis eine kleine Katastrophe zu einer Wende führt.

Obwohl der Film ein gutes Ende hat bin ich mir bis zum Ende der Vorstellung sicher, dass der Junge – aufgewachsen in diesem Milieu - unter einer schweren Störung leiden wird. Ich weiß es genau. Da zeigt der Abspann, dass der Film von eben diesem Jungen gedreht wurde. Adrian Goiginger studiert an der Filmakademie in Ludwigsburg, und hat sein Studium für zwei Jahre für die Realisierung dieses Spielfilms unterbrochen. Seine Mutter ist mit 39 Jahren an Krebs gestorben; für sie hat er diese Liebesgeschichte realisiert.

Für mich ist „Die beste aller Welten“ ein Meisterwerk über Sucht und Resilienz. Er überzeugt auch technisch, z.B. durch die wunderbare Umsetzung der Abenteurer-Phantasien des kleinen Adrian. Er wurde als bester Film der Reihe „Perspektive deutsches Kino“ ausgezeichnet.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 03.08.2017