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Psychiatrie Verlag

Die Kunst kommt aus dem Schnabel, wie er gewachsen ist

Wir Berliner hatten mitbekommen, dass in der Kunstwerkstatt des »Mosaik Berlin-Spandau« eine Filmemacherin am Werk ist. Es gab nämlich eine Crowdfunding-Aktion für »Die Kunst kommt aus dem Schnabel, wie er gewachsen ist«. Sie war erfolgreich, und der Dokumentarfilm wurde wunderbarerweise in der Sektion »Forum« der Berlinale angenommen. Sabine Herpich ist nicht aus der Szene und hat sich deshalb mit einem ganz unverstellten Blick den Künstlern und dem Thema Außenseiterkunst zugewandt. Sie hat sich viel Zeit genommen.

Als Zuschauer darf man gemeinsam mit der Kamera über diverse Schultern schauen – und zum Beispiel die diffizilen Schraffuren von Adolf Beutler beobachten. Die Werke, die dabei entstehen, sind bei Sammlern sehr gefragt. Adolf Beutler ist inzwischen 85 Jahre alt und kommt nur noch jeden Donnerstag an seinen Arbeitsplatz. Was mag er in Anstalten und Heimen erlebt haben? Manchmal weint er, dann wird er getröstet. Er spricht nicht. Suzy van Zehlendorf hingegen erklärt, wieso, weshalb, warum sie zum Beispiel das Bode-Museum nicht leiden kann. Die Skulpturen müssen befreit werden! Sie klebt und schneidet und baut aus unterschiedlichsten Materialien. Auf ihren Bildern wird einfach alles zum Hahn, sogar Adolf Hitler.

Gabriele Beer malt in wunderbaren Farben, Till Kalischer zeichnet Städte und Verkehrsmittel. Insgesamt 16 Menschen haben in der Werkstatt einen Arbeitsplatz. Auch der banale Alltag wird thematisiert: Es muss geputzt werden, es wird gegessen, und wie jede Werkstatt für behinderte Menschen steht auch diese unter finanziellem Druck. Nina Pfannenstiel, die Leiterin der Kunstwerkstatt, plant eine Ausstellung, und mit der Vernissage kommt der Film zu einem schönen Abschluss.

Das Interesse an diesem Dokumentarfilm war bei den 70.Internationalen Filmfestspielen erstaunlich groß. Die Presse hat ausführlich berichtet. Das ist erfreulich, denn diese Kunstwerkstatt steht für die vielen Projekte im Bereich Arbeit und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung, die drigend mehr Anerkennung benötigen.

Sabine Herpich ist Mitglied des fsk-Kino-Kollektivs; dessen Verleih wird dem Film im Herbst einen Kinostart in ausgewählten Kinos ermöglichen.

Ilse Eichenbrenner in Soziale Psychiatrie

Letzte Aktualisierung: 09.03.2020