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Psychiatrie Verlag

Don’t worry, weglaufen geht nicht

John Callahan war ein bekannter Cartoonist, dessen Autobiografie »Don't worry, weglaufen geht nicht« Gus Van Sant jetzt verfilmt hat. Der Film ist auf den 68. Internationalen Filmfestspielen Berlin gelaufen und wird voraussichtlich im Sommer 2018 in unsere Kinos kommen. Joaquin Phoenix spielt John Callahan, diesen übermütigen Trinker, mit einer ihn selbst und andere umwerfenden Fröhlichkeit. Er trinkt sich zugrunde. Bei einer nächtlichen Autofahrt mit einem Flaschenbruder kommt es zu einem schweren Unfall und Callahan wacht mit einer Querschnittslähmung auf. Er sitzt im Rollstuhl, er kann auch die Arme kaum bewegen.

Mit Hilfe eines Betreuers kann er wieder in seiner eigenen Wohnung leben, und er trinkt unverändert fröhlich weiter. Schließlich landet er doch ausgesprochen skeptisch bei einem eher ungewöhnlichen Meeting der lokalen Anonymen Alkoholiker. Donny hat das opulente Haus von seinen Eltern geerbt. Der langhaarige, schwule Moderator ist klar und freundlich. Die Gruppenmitglieder (unter ihnen Beth Ditto und Udo Kier) geben Contra, und begleiten gleichzeitig den aufmüpfigen John Callahan bei den berühmten Zwölf Schritten. Das ist keineswegs dröge, sondern ungeheuer witzig, wenn John z.B. auf der Suche nach seinem höheren Wesen bei den Geschlechtsorganen von Raquel Welsh landet. So what!

Donny ist auch hier großzügig, in anderen Punkten aber sehr streng. Johny Callahan fängt an zu zeichnen- mit zittriger Hand, den einen Arm mit dem anderen stützend. Seine Cartoons, die den Film illustrieren, sind wirklich, wirklich komisch. Seine Sprüche sind witzig, und er bringt auch die Leser der Zeitschrift in Aufruhr, in der inzwischen seine Werke abgedruckt werden. Es ist ein schöner Recovery-Prozess, der hier dokumentiert wird. John rast mit seinem Rollstuhl über die Bordsteine, und kippt auch mal um. Die jugendlichen Skater des Viertels bewundern ihn. Dass dann auch noch die Liebe in Gestalt seiner bildschönen ersten Physiotherapeutin Einzug in sein Leben hält ist das einzige Tüpfelchen auf dem i von Kitsch.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 16.08.2018