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Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Draussen in meinem Kopf

Drei gelähmte Männern stehen im Mai 2018 im Mittelpunkt von Spielfilmen, die sich an wahren Vorbildern orientieren. Es ist das im Rollstuhl sitzende Opfer des Attentats auf den Boston Marathon (»Stronger«), der an Polio schwer erkrankte Robin (»Solange ich atme«) und zuletzt Samuel Koch, der seit seinem Unfall bei »Wetten, dass…« vom Hals an abwärts gelähmte Schauspieler in einer Rolle als Heimbewohner. Ich konzentriere mich auf Samuel Koch.

Der Film spielt ohne Ausnahme im Zimmer des an Muskeldystrophie leidenden Sven (Samuel Koch), ausgestattet mit einem Pflegebett, einem Rolltisch mit behindertengerechtem Rechner, einer vorzüglichen Anlage und vielen CDs. Die Pflegekräfte gehen ein und aus, auch Christoph, der neue FSJler. Sven hat eine Passion für Bach, und kennt die Texte der Choräle auswendig: »Komm sanfter Tod«. Ab und zu schaut einer der anderen Heimbewohner rein, bringt Alkohol und reißt ein paar schmutzige Witze.

Der Profi-Behinderte Sven und der Frischling Christoph haben ein schwieriges Verhältnis, geprägt von Machtkämpfen, Neid, Eifersucht und Körperpflege. Für Christoph ist es ungewohnt, einen anderen Menschen anzufassen. Sven, der in seinem Leben sicher schon Hunderte von Helfern erlebt hat, weiß aus dieser Konstellation Funken für sein eintöniges, zu Ende gehendes Leben zu schlagen. Es dauert, bis die Rollen geklärt und das Abhängigkeitsverhältnis austariert ist.

»Draussen in meinem Kopf« ist ungeheuer spannend. Fraglos lebt der Film auch von der körperlichen Schönheit seiner Protagonisten. Beide – Samuel Koch, der ja nur mit seinem Gesicht agieren kann, und der junge Schauspieler Nils Hohenhövel – machen glücklich. Lars Rudolph als rotziges Ekelpaket liefert den notwendigen Kontrast. Kleine Abgründe und anarchische Details seien hier nicht verraten. Leider hat der Film schon den Marcel-Ophüls-Preis der Jugendjury erhalten, denn ich würde ihn gerne nominieren. Bester Bufdi-Azubi-FSJler-Film des Jahrzehnts. Irgendwas in der Richtung.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 08.05.2018