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Drei Tage in Quiberon

Vier deutsche Beiträge waren im Wettbewerb der diesjährigen 68. Berlinale. Unter ihnen war dieser Schwarz-Weiß-Film, der ganz und gar von seinen großartigen Schauspielern lebt. Die drei Tage in Quiberon haben sich 1981 tatsächlich zugetragen; es ist viel darüber geschrieben worden.

Romy Schneider ist 42 Jahre alt und befindet sich auf der Höhe ihres Ruhms, und gleichzeitig in einer kritischen Phase. Für einige Tage will sie entgiften und fasten und ihr Gleichgewicht wieder finden, vor allem für ihren 14jährigen Sohn. Doch sie will die Tage auch nutzen für eine Reportage für den Stern. Den Fotografen Robert Lebeck (Charly Hübner) kennt sie bereits. Doch sie hat auch ihre Jugendfreundin Hilde (Birgit Minichmayr) gebeten zu kommen, die vom Besuch der Stern-Reporter nichts weiß.

Hilde checkt ein in dem direkt am bretonischen Meer liegenden Apartmenthotel. Sie freut sich auf ein paar schöne Tage mit ihrer langjährigen Freundin. Die beiden Männer vom Stern treffen ein: der freundliche Teddybär Robert Lebeck, und der scharfzüngige Journalist Michael Jürgs; schneidend kühl spielt Robert Gwisdek diesen Part. Romy möchte am Abend noch etwas trinken, gemeinsam zieht man los zum Hafen, wo eigentlich schon alles geschlossen ist. Bei einer Hochzeit wird noch ausgeschenkt, ein Poet (Denis Lavant) trägt Gedichte vor. Romy steht ganz im Mittelpunkt; alle singen und trinken und sind glücklich. Es werden schöne Tage werden. Doch der Katzenjammer folgt. Romy ist verzweifelt; sie trinkt und schluckt Medikamente. Hilde gerät immer mehr in die Rolle der moralisierenden Aufpasserin.

Sie versucht Romy zu beruhigen und zu beeinflussen, rät ihr auch ab, sich den bohrenden Fragen des Journalisten zu stellen. Romy kokettiert, gerät in immer neue Krisen, weint und lacht, trinkt und dämmert vor sich hin. In einer kleinen, anrührenden Szene bittet sie eines abends den unbeholfenen Lebeck, sich zu ihr zu legen und sie festzuhalten. So liegen sie gemeinsam unter der Decke, und Romy kommt zur Ruhe. Der Film zeichnet die Höhen und Tiefen, diesen typischen Schlingerkurs abhängiger und abhängigkeitskranker Menschen mit großer atmosphärischer Dichte; er denunziert nicht, er beobachtet sorgfältig und findet einen wunderbaren Rhythmus. Romy ist charmant, sie umgarnt jeden, gleichzeitig ist es nie genug. Sie ertrinkt mal im Champagner, dann wieder in der Melancholie. Gegen Ende des Films geht Romy ans Meer, und hüpft ausgelassen über die Felsen; Lebeck schießt hier seine inzwischen berühmt gewordenen Bilder.

Nicht sattsehen kann man sich an Marie Bäumer als Romy Schneider. Nie hat man das Gefühl, sie imitiere die berühmte Schauspielerin, denn sie verwandelt sich in sie, verkörpert sie ganz und gar.

Soll man sich nun mit dieser elegischen und nimmersatten Romy identifizieren, oder mit der herben Gouvernante Hilde, die immer am liebsten abreisen möchte? Viele von uns kennen diese Rolle der nüchternen Helferin, und waren vielleicht selbst einmal die beste Freundin im Schatten der Ballkönigin.

Dieser schöne Film fand auf der Berlinale - finde ich – nicht die angemessene Beachtung. Er läuft ab 12. April in den Kinos.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 05.03.2018