Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Mama macht mich krank - Eine Dokumentation über die Kinder von psychisch Kranken

Unter der Leitung von Christian Meyer entstand beim Medienprojekt Wuppertal eine Dokumentation zum Thema „Kinder psychisch kranker Mütter“. Sie beschränkt sich ganz auf das Thema und seine Protagonisten: Zwei psychisch kranke Mütter, ihre Partner und vor allem ihre Kinder. Die Kamera begleitet die beiden Familien bei Spaziergängen, sitzt dann bei den Kindern im Wohnzimmer, oder beobachtet sie bei einer alltäglichen Aktivität. Ab und zu werden sehr behutsam aus dem Hintergrund Fragen gestellt; in der Regel aber erzählen die Kinder erstaunlich flüssig und differenziert.

Sie leiden vor allem unter den wechselnden Stimmungen der Mutter, ihrer Unberechenbarkeit, Traurigkeit und Inaktivität. Eine der beiden Mütter leidet unter Depressionen, die andere an einer Borderline-Störung. Immer wieder kommt es zu teilweise langen Klinikaufenthalten. Die Kinder wissen sehr viel, sie wirken differenziert und verständnisvoll und zeigen doch ihre Emotionen. So berühren manche Aussagen auch den professionellen Zuschauer, ohne dabei plump auf die Tränendrüse zu drücken. Es findet keine Wertung statt, auf eine Parteinahme verzichtet der Film erfreulicherweise ganz und gar.

Besonders eindrucksvoll ist dann doch ein drittes, beinahe tragisches Porträt: Die Geschichte einer Jugendlichen, deren psychisch kranke Mutter inzwischen gestorben ist. Die depressive und alkoholkranke Mutter stand als Bezugsperson nie zur Verfügung, die Tochter wurde selbst depressiv und erkrankte an einer sehr schweren Neurodermitis. Erst die strikte Trennung, eine stationäre Behandlung und die Unterbringung durch das Jugendamt brachten eine positive Wendung. Doch die körperliche und psychische Verletzung ist nicht zu übersehen.

Die DVD enthält als Bonusmaterial die Aussagen eines Kinder- und Jugendpsychiaters und der Leiterin eines Treffpunkts für betroffene Kinder, außerdem zwei weitere, sehr eindrucksvolle Porträts. So wird das Bild einer sehr modernen, gemeindeintegrierten Psychiatrie abgerundet.

„Mama macht mich krank“ mag als Titel ein wenig reißerisch sein, außerdem trifft er nicht ganz die Botschaft, die die Kinder vermitteln. Denn sie sprechen vor allem andere betroffene Kinder an: Informiert Euch, holt Euch Hilfe beim Jugendamt, sprecht miteinander!

Die klaren, ruhigen Bilder und der dynamische Schnitt ergänzen sich hervorragend. So ist ein Film entstanden, der für die Arbeit mit Auszubildenden und betroffenen Kindern und Eltern sehr zu empfehlen ist.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 12.04.2017