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Psychiatrie Verlag

Eldorado

Wie schon 2017 Jahr war das Elend der geflüchteten Menschen eines der zentralen Themen der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Im Wettbewerb lief der Dokumentarfilm „Eldorado“ des Schweizers Markus Imhoof. Er hat einen sehr persönlichen Zugang gefunden, weil seine Familie 1941 ein italienisches Mädchen aufgenommen hatte. Gabriella starb unterernährt mit 14 Jahren in Mailand, der Regisseur verzweifelt darüber noch heute.

So ganz nebenbei erfährt man, dass die italienischen Faschisten den Juden die Durchreise gestatteten, wenn die Schweiz im Gegenzug Kinder aufnahm und versorgte. Menschenhandel mitten in Europa. Imhoof reist zum Mittelmeer und erhält eine Drehgenehmigung auf einem der riesigen Marineschiffe der Aktion „Mare nostrum“. Das Schiff nimmt vor der lybischen Küste 1 500 Menschen auf. Die Bilder sind erschreckend, gleichzeitig arbeiten die Rettungsmannschaften militärisch straff koordiniert. Für das einzelne Schicksal bleibt da kein Raum. Mit dem Tacker werden den Menschen Nummern angeheftet. Derartige Bilder hat man schon gesehen, zuletzt in „Fuocoammare“, dem Gewinnerfilm von 2016.

Doch Imhoof geht weiter. Er besucht die Aufnahmelager und die nächste Stufe, die illegalen Camps auf den Tomatenplantagen, die von der Mafia betrieben werden. Man nennt es „Ghetto“. Hier arbeiten nur die Männer, natürlich schwarz; 30 € erhalten sie am Tag, wenn sie überhaupt bezahlt werden, die Hälfte müssen sie sofort abgeben. Die Frauen werden zur Prostitution gezwungen. Imhoof folgt den Familien im Zug und ist dabei, wie sie an der Schweizer Grenze zurückgewiesen werden. Für die Abschiebeprämie in Höhe von 3000 € will sich ein Mann aus dem Senegal zwei Kühe kaufen.

Aktuell subventioniert Brüssel den Milchexport von Europa nach Afrika - der Bauer hat keine Chance. Auch die Tomaten, die die 30 000 Illegalen der italienischen Landwirtschaft ernten kommen in Dosen, und landen billig in Afrika. So schließt sich der Kreis. Trotz dieser Informationen regt sich ein Journalist aus Eritrea, der für ein Flüchtlingsmagazin schreibt, bei der Pressekonferenz auf. Imhoof zeige nur das Elend, und prangere die politischen Hintergründe und eigentlichen Fluchtursachen viel zu wenig an. Hat er recht? Alle nicken ratlos.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 05.03.2018