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Psychiatrie Verlag

Eleanor & Colette

Am 3. Mai 2018 wird der US-Spielfilm „Eleanor & Colette“ in unsere Kinos kommen. Er war zunächst unter dem Titel „55 Steps“, dann als „Wenn Dir Flügel wachsen“ angekündigt worden. Nun also „Eleanor & Colette“. Das Drehbuch beruht auf der Geschichte der echten Eleanor Riese, die in den achziger Jahren ein wichtiges Recht für alle Psychiatriepatienten im Staat Kalifornien erkämpfte. Noch immer wird in medizinischen Lehrbüchern die sogenannte „Riese-Anhörung“ erwähnt. Dass die spannende Geschichte ein gutes Ende hat ist also hiermit bereits verraten.

Eleanor Riese leidet an den Folgen einer Hirnhautentzündung. Sie gilt – trotz Abitur – als leicht geistig behindert und hat eine erhöhte Anfallsbereitschaft. Außerdem wurde eine Schizophrenie diagnostiziert. Sie lässt sich bereitwillig medikamentös behandeln, und begibt sich vor allem zur medikamentösen Einstellung immer wieder in die psychiatrische Abteilung des St. Mary-Hospitals in San Francisco.

Sie reagiert mit zunehmenden Blasen-und Nierenproblemen auf das verordnete Neuroleptikum; andere Medikamente wirken nicht oder verstärken die Beschwerden noch. Im Film und im „Fall Eleanor Riese“ geht es um die Phase der kurzfristigen Unterbringung (3. bis 17. Tag) gegen den Willen des Patienten, ein in den USA übliches Procedere.

Bis zu dem hier vorgestellten Urteil wurden die Patienten in dieser Phase ohne „informed consent“ medikamentös behandelt, also ohne Einwilligung. So muss es auch Eleanor Riese in einer besonders demütigenden Lage erleiden, und genau gegen diese Praxis im Staat Kalifornien klagt sie. Sie beauftragt eine Patientenanwältin, Colette Hughes, die sich wiederum zur Unterstützung an den Verfassungsrechtler Morton Cohen wendet. Gemeinsam nehmen sie den Kampf auf.

Vor Gericht bleibt Colette Hughes eher im Hintergrund; dass sie vor ihrem Jurastudium zehn Jahre als Krankenschwester, davon fünf in der Psychiatrie, gearbeitet hat, hilft der Sache aber enorm: Im Gegensatz zu dem ausgefuchsten Juristen kennt sie sich aus mit dem Klinikalltag inklusive Neuroleptika. Der Kampf durch die Instanzen sei hier nicht in allen Details verraten. Es geht auf und ab, und Colette Hughes wendet sich an viele psychiatrische Kliniken, bis sich das Blatt wendet.

Am Ende unterstützt sogar die American Psychological Association das Vorhaben und der State Court California entscheidet 1987, dass auch zwangseingewiesene Patienten das Recht haben, über die Anwendung von Antipsychotika informiert zu werden und mitzubestimmen. Eine unfreiwillige Behandlung (abgesehen von definierten Ausnahmen) ist nur mit einem richterlichen Beschluss möglich (www.apa.org/about/offices/ogc/amicus/riese.pdf).

Natürlich erinnert der Film an die deutsche Debatte um Zwangsmedikation der letzten Jahre – ich finde, das macht ihn besonders interessant und regte die Produktion möglicherweise an. Denn er wurde mit deutschen Fördermitteln finanziert und entscheidende Szenen, z.B. auf der Treppe im Gerichtsgebäude mit ihren ursprünglich titelgebenden 55 Stufen, wurden in Köln gedreht.

Hauptdarstellerin Helena Bonham Carter nutzt die Gelegenheit, und zieht als drollige Nervensäge Eleanor alle Register; Hilary Swank verkörpert die total verspannte Anwältin mit Bravour. Ganz allmählich kommen sich die beiden Frauen näher. Es menschelt also auch im Film und in der gemeindepsychiatrischen Szene San Franciscos, bis sich Eleanor am Ende stolz auf ihrem neuen Sofa drapiert.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 24.04.2018