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Psychiatrie Verlag

24 Wochen

Mit großer Spannung war bei der diesjährigen Berlinale der einzige deutsche Wettbewerbsbeitrag „24 Wochen“ erwartet worden. Der Spielfilm ist die Abschlussarbeit der Theaterpädagogin und Absolventin der Ludwigsburger Filmhochschule Zohra Berrached. Bereits im letzten Jahr hatte sie in der „Perspektive Deutsches Kino“ mit dem Spielfilm „Zwei Mütter“ überzeugt. Nun also eine große Produktion mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel in den Hauptrollen. Astrid ist eine jener Kabarettistinnen, die sich bei der Ladies Night unter Gejohle über ihren Mann lustig macht. Der steht Backstage, denn er ist ihr Manager. Zusammen mit ihrer neunjährigen Tochter führen die beiden ein geselliges, erfülltes Leben.

Astrid ist schwanger, das passt. Bei der Fruchtwasseruntersuchung stellt sich heraus, dass das Kind an Trisomie 21 leidet. Ein Downie, ein Mongo? Darf man das überhaupt noch sagen? Egal, die beiden besuchen die Proben der Schauspieler von „RambaZamba“ und können sich das gut vorstellen. Ein Kindermädchen gibt es bereits, nun soll auch noch die jung gebliebene Mutter ins Haus ziehen.

Doch dann stellt sich heraus, dass der Embryo einen Herzfehler hat, dass vor und nach der Geburt Operationen notwendig sind und das Kind vermutlich schwerst behindert sein wird. Schaffen wir das? Der Film verfolgt den Entscheidungsprozess des Paares, er beobachtet die beiden bei Beratungsgesprächen, beim Hadern und Streiten und in tiefer Verzweiflung. Die Rollen aller Profis sind mit echten Experten besetzt, das gibt dem Film eine große Ernsthaftigkeit. Die Fallhöhe – von der Ladies Night in den OP-Raum - ist enorm. Da Astrid als erfolgreiche und inzwischen sichtbar schwangere Kabarettistin eine Person des öffentlichen Lebens ist müssen auch die Medien berücksichtigt werden. Spätabtreibungen sind Tabus, wie wird Astrid sich entscheiden?

Viele fanden den Film ungeheuer berührend, manche Journalisten fühlten sich moralisch gegängelt, von der Empathie-Keule erschlagen. Über keinen Film wurde zwischen den Vorstellungen so viel diskutiert. Genau das wollte die Regisseurin erreichen. Bei der Presskonferenz zeigte sie sich hochgradig engagiert und bestens informiert. 90 Prozent aller Frauen, bei denen die Fruchtwasseruntersuchung ein behindertes Kind prognostiziert entscheiden sich gegen die Geburt.

Bei der Verleihung der Preise ist „24 Wochen“ leer ausgegangen. Das macht nichts. Von dieser Regisseurin werden wir noch hören und sehen. Der Termin für den Kinostart ist noch nicht bekannt.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 11.04.2017