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Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Töchter

Die Regisseurin Maria Speth interessiert sich für Mütter und Töchter und Obdachlose. Für ihren Dokumentarfilm „9 Leben“, in dem sie sehr junge wohnungslose Menschen porträtierte, wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

Nun hat sie sich mit ihrem neuen Spielfilm ganz auf eine Mutter und eine junge Obdachlose konzentriert. Sie hat zwei Schauspielerinnen gewählt, die auf extreme Weise ihre Rollen verkörpern.

Corinna Kirchhoff ist Agnes, eine Lehrerin für Deutsch und Geschichte aus Frankfurt, die soeben in Berlin angekommen ist. Ihre 15jährige Tochter ist zuhause abgehauen; möglicherweise ist es die junge Tote, die sie nun identifizieren soll. Doch sie ist es nicht, und so mietet sich Agnes ein Auto. Bei der Autovermietung wird ihr zunächst ein „Upgrade“ vorgeschlagen, und sie erhält einen riesigen SUV. Mit ihm fährt sie nun durch die Straßen Berlins und klappert die einschlägigen Suppenküchen und Obdachlosenunterkünfte ab. Plötzlich knallt es, und eine junge obdachlose Frau liegt hinter dem Wagen. Sie steht scheinbar unverletzt auf, und Agnes bietet ihr an, in das Auto einzusteigen.

Von nun an wird Agnes die obdachlose Ines nicht mehr los. Sie quartiert sich in ihrem Hotelzimmer ein, zieht ihre Kleidung an, steigt nackt in den Hotelpool. Sie behauptet von sich selbst, eine Künstlerin zu sein, und eine Galerie zu haben. Agnes zieht heimlich los, sucht die Galerie und findet sie und erfährt, dass Ines eine begabte Herumtreiberin ist, die überzeugt davon ist das Recht zu haben, auf Kosten anderer zu leben.

Agnes und Ines, eine Mutter und eine Tochter streiten sich. Sie überhäufen sich mit Vorwürfen und Bitterkeit, und kommen nicht mehr voneinander los. Der Film ist anstrengend, vielleicht gerade weil die beiden Schauspielerinnen sich so sehr anstrengen. Vor allem Corinna Harfouch als strenge, spröde Mutter und Lehrerin agiert wenig einfühlbar, so dass man als Zuschauer nur zu rasch in die Rolle der weggelaufenen Tochter gerät, die man ja nie kennenlernt.

Kathleen Morgeneyer als obdachlose Ines legt sich ebenfalls ins Zeug; wie viele reale wohnungslose Klienten ist sie trotzig, böse und vorwurfsvoll, so dass man als Zuschauer auch bei ihr seine Sympathie nicht so recht platzieren kann.

Produziert wurde „Töchter“ im Rahmen des ZDF - Das kleine Fernsehspiel. So wird der Film wenn nicht im Kino, so doch im TV demnächst auszuhalten sein.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 12.04.2017