Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie
Dachverband
Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker
Psychiatrie Verlag

Ich. Du. Inklusion

Über diesen Dokumentarfilm wird in der Schulszene heftig diskutiert. Auch Eltern, die vom Thema „Inklusion“ betroffen sind, haben sich dazu in den Medien und sozialen Netzwerken geäußert. Als ich an einem späten Vormittag das kleine Kino aufsuchte war ich die einzige reguläre Besucherin. Einer großen Gruppe von jungen Lehrerinnen respektive Referendarinnen hatte ich diese Sondervorführung zu verdanken.

Regisseur Thomas Binn ist auch Sozialpädagoge, und seine Projektarbeit „Die Schule der Tiere“ durchzieht den Film. Jedes Tier ist anders behindert: Schlangen haben keine Beine, Löwen können überhaupt nicht fliegen. Die Proben zu der kleinen Theateraufführung führen auf originelle Weise in den Grundgedanken der Inklusion ein. Also alles paletti? Der Zuschauer nimmt teil am ersten Inklusionsjahrgang der Geschwister-Devries-Schule in Uedem, und beobachtet dabei vor allem fünf Schüler mit und ohne Unterstützungsbedarf.

Die seelische, geistige und soziale Einschränkung ist nicht offensichtlich; bei einem kleinen Jungen wurde ADHS diagnostiziert; ein anderer ist nach Einschätzung der Lehrerinnen auf dem Stand eines dreijährigen, und verlässt schließlich die Klasse aus familiären Gründen. Die häusliche Situation, die Arbeit der Schulhelferinnen und Lehrerinnen wird beobachtet; sie alle sind hochgradig engagiert und kommentieren den Inklusionsprozess äußerst kritisch.

Die Eltern der Kinder mit Unterstützungsbedarf klagen über die bürokratischen Hürden, bis alles begutachtet und bewilligt ist. Wer nicht wie ich ohnehin komplett überwältigt ist von der ungeheuren Mühe, so viele Kinder gleichzeitig zu beaufsichtigen und zu fördern, der mag hier viele Anregungen finden. Ich fand – ehrlich gesagt – die betroffenen Kinder für die beispielhafte Diskussion des Themas „schulische Inklusion“ etwas zu wenig behindert. Die Verflechtung der inklusionsfreundlichen Szenen der „Schule der Tiere“ und die eher skeptische Begleitung der realen Akteure verhindert, dass der Film allzu tendenziös wird.

Der Film läuft noch in einigen Kinos, ist aber ab November als DVD erhältlich.

Mehr Informationen unter www.ich-du-inklusion.de.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 03.08.2017