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Psychiatrie Verlag

Pelikanblut – Aus Liebe zu meiner Tochter

Am Rande der Berlinale haben Akkreditierte die Gelegenheit, alle deutschen Filme zu sehen, die für den Deutschen Filmpreis „Lola“ gesichtet werden. Mit „Pelikanblut – aus Liebe zu meiner Tochter“ war die Nebenreihe Orizzonti bei den Filmfestspielen von Venedig im  Jahr 2019 eröffnet worden. Am 23. April 2020 wird dieser bemerkenswerte Spielfilm in die deutschen Kinos kommen. 

Wiebke (Nina Hoss) hat ein großes Haus auf dem Land und einen eigenen Reiterhof, auf dem unter anderem Polizeipferde trainiert werden. Um sie auf Demonstrationen vorzubereiten werden z.B.  Steinwürfe und Brandanschläge simuliert.  Die taffe Wiebke hat bereits ein kleines Mädchen aus Osteuropa adoptiert und holt nun ein zweites Kind dazu. Wiebke fährt nach Bulgarien, um die fünfjährige Raya in Empfang zu nehmen. Schon bald erweist sich Raya als schwierig, schließlich extrem gefährlich. Sie zündelt, schmiert mit Kot, tötet Tiere und verführt andere Kinder zu riskanten Spielen. Alarmanlagen werden eingebaut, Wiebke versucht es mit konsequenter Erziehung. Schließlich geht sie mit Raya zu einem Therapeuten, der eine spezialisierte Einrichtung empfiehlt.

Eine Untersuchung beim Neurologen zeigt Auffälligkeiten an der Amygdala – Raya habe vielleicht deshalb keine Gefühle, keine Empathie, empfinde keinen Schmerz. Es gibt Hinweise auf eine frühe und schwere Traumatisierung. Wiebke, die erfolgreiche Pferdeflüsterin, will auch dieses Problem lösen, allein. Sie recherchiert im Internet und beschließt, die Zeit zurückzudrehen und dieses Kind noch einmal auf die Welt zu bringen. Sie nimmt Hormone, um Raya stillen zu können, trägt sie wie einen Säugling mit sich herum und sucht die Hilfe einer Schamanin.

Vieles an »Pelikanblut« erinnert an den aktuellen Film »Systemsprenger«. Auch diesem zornigen und gefährlichen Mädchen ist scheinbar nicht zu helfen. Doch auf dem Pferdehof gibt es viele Freunde, ein großartiges Umfeld und eine stabile Bezugsperson. Wem »Tore tanzt« von Regisseurin Katrin Gebbe gefallen hat, der sei unbedingt ermutigt. Ich war nicht immer ganz einig mit dem Drehbuch dieses immerhin ungewöhnlichen Films über eine tragische Elternschaft.

Ilse Eichenbrenner in Soziale Psychiatrie

Letzte Aktualisierung: 09.03.2020