Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Styx

Affen klettern über die Felsen und Mauern und Balkone in Gibraltar. Dann ist man plötzlich bei einem Verkehrsunfall in Deutschland. Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen treffen ein. Alles ist perfekt organisiert. Eine Notärztin gibt Anweisungen. Zurückhaltend und gleichzeitig souverän leitet sie die Erstversorgung. Im Krankenhaus erstattet sie Bericht, knapp, sachlich, distanziert. Die Rettung von Menschenleben ist ihr Beruf und ihre Berufung. Doch nun hat sie Urlaub. Wir treffen sie wieder auf Malta, wo sie den Proviant für ihre Segelyacht prüft, mit der sie nun in See stechen wird.

Sie ist Einhandseglerin und möchte zur Insel Ascension, neben St. Helena. Sie setzt die Segel und freut sich an der gewohnten Routine. Jeder Griff sitzt. Dann setzt sie sich mit einem Bildband über die Insel, die sie nun besuchen will, auf das Deck. Sie schwimmt einige Minuten auf dem offenen Meer, und man hält die Luft an. Doch diese Frau weiß, was sie tut. Sicher kommt sie wieder an Bord. Sie jagt das Schiff durch einen schweren Sturm. Sie ruht sich aus, sie isst und trinkt und freut sich auf ihr Ziel. Plötzlich taucht nachts in ihrer Nähe ein völlig überladenes, havariertes Flüchtlingsboot auf. Sie stoppt sofort, sie bereitet sich vor.

Sie legt viele Wasserflaschen zurecht und macht Meldung bei der Küstenwache. Sie fordert Hilfe an, doch die Hilfe kommt nicht. Sie hört Schreie und das Klatschen, wenn Menschen vom Boot fallen oder springen. Sie wirft einen einzigen Rettungsring, und ein halbwüchsiger schwarzer Junge schwimmt zum Boot und sie hievt ihn an Bord. Er ist verletzt, und sie versorgt ihn absolut professionell. Es ist faszinierend, diese Frau bei ihren sicheren effizienten Bewegungen zu beobachten. Jeder Griff sitzt. Doch ganz allmählich löst sich ihre Routine auf, denn das Dilemma wird unerträglich. Sie will Leben retten, doch sie darf nicht, sie kann nicht.

Ein vorbeifahrendes Schiff weigert sich, Hilfe zu leisten. Endlich, viel zu spät, treffen die Rettungsmannschaften ein. Am Ende dieses Thrillers ist man selbst fast genau so verzweifelt wie diese starke – von einer phänomenalen Susanne Wolff - verkörperte Frau.

Die Dreharbeiten auf dem elf Meter langen Segelboot fanden überwiegend auf dem offenen Meer statt. Das Ergebnis ist perfekt, die Quintessenz der atemberaubenden Handlung ein Desaster, das uns alle betrifft.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 05.03.2018