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Psychiatrie Verlag

The Roads Not Taken

Dem neuen Film »The Roads Not Taken« der berühmten Regisseurin Sally Potter haben viele auf der diesjährigen Berlinale regelrecht entgegengefiebert: Javier Bardem als dementer Vater und Schriftsteller namens Leo, Elle Fanning als seine berufstätige Tochter Molly - großes Schauspielerkino war angesagt. Für den 30. April 2020 ist der reguläre Kinostart angekündigt.

Leo lebt  nach seiner Scheidung in einem einfachen Apartment direkt an der Bahn, eine Zugehfrau kümmert sich. Heute hat Molly, seine berufstätige Tochter, sich freigenommen, um ihren Vater zum Zahnarzt und zum Optiker zu begleiten. Leo dämmert am liebsten in seinem Bett vor sich hin und träumt. Seine Tochter erkennt er kaum noch. Die Fahrt im Taxi und die vereinbarten Termine sind so mühsam, wie sie mit einem hochgradig Dementen eben sind. Leo nässt ein, Molly besorgt in einem Outlet-Center eine neue Hose für ihn. Immer wieder erklärt sie ihrem Arbeitgeber am Handy, weshalb sie sich verspätet.

Am Ende des Tages – Leo ist inzwischen weggelaufen – hat sie den wichtigen Auftrag verloren. Dies ist der eine Strang. Daneben begleitet man Leo nach Mexiko und auf eine griechische Insel – emotional wichtige Momente seines Lebens, die aus dem Meer des Vergessens auftauchen.

Bardem gibt der Demenz einen fast starren, unbewegten Ausdruck. Elle Fanning hingegen ist in ihrer sanften Fürsorglichkeit kaum auszuhalten. Man wäre froh, sie würde einmal ausrasten. Angeregt zu dem Film wurde Sally Potter durch ihren Bruder, der an einer frühen und besonders schweren Form von Demenz erkrankt war. Leider ist es ihr nicht gelungen, den üblichen Klischees einen neuen Blick auf dieses letztlich unbegreifliche Phänomen hinzuzufügen.

Ilse Eichenbrenner in Soziale Psychiatrie

Letzte Aktualisierung: 09.03.2020