Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
Dachverband Gemeindepsychiatrie
Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen
Psychiatrie Verlag

Wohin mit Jacques?

Gerade noch rechtzeitig hat ein Nutzer des Psychiatrie-Netzes auf einen Spielfilm hingewiesen, der für Profis, Angehörige und Psychiatrieerfahrene gleichermaßen wichtig sein dürfte: „Wohin mit Jacques“ ist bereits in der Arte-Mediathek eingestellt, und wird dort bis 8. Juni 2022 verfügbar sein.

Ganz im Zentrum steht Jaques, der an einer schizophrenen Störung leidet. Seit dem Tod der Mutter kümmert sich sein Vater fürsorglich um ihn, bis er plötzlich stirbt, als beide gemeinsam vor dem Fernseher sitzen. Die drei Geschwister reisen an und streiten: Wie soll es weitergehen? Kann Jacques alleine in diesem alten Haus bleiben? Wer kümmert sich um ihn?

Die Darstellung des chronisch psychisch kranken Mannes mit Bierflasche und Zigarette ist bestürzend realistisch. Auch die ungeheure Ambivalenz und Dynamik, die innerhalb der Familie ausgelöst wird, wird ungewöhnlich lebensnah dargestellt. Das macht „Wohin mit Jacques?“ natürlich nicht zu einer amüsanten Ablenkung für den Feierabend. Wie in kaum einem anderen Spielfilm wird der Blick auf die noch immer fatale Situation der Angehörigen gerichtet, ohne das Schicksal des Betroffenen außer Acht zu lassen. Der Film gibt keine Antworten, stellt aber die richtigen Fragen.

Ilse Eichenbrenner

Letzte Aktualisierung: 08.04.2022