Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie
Dachverband
Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker
Psychiatrie Verlag

Leitfaden für Gespräche mit suizidgefährdeten Menschen

Das Gespräch mit suizidgefährdeten Menschen sollte sehr aufmerksam, respektvoll und offen geführt werden. Nachfolgender Leitfaden sollte nicht im Sinne einer Checkliste abgearbeitet werden, sondern nur als Orientierungs- und Klärungshilfe dienen, um das Gespräch zu lenken.

Es müssen nicht alle Themen angesprochen werden. Am Ende des Gespräches sollte eine klare Einschätzung der Suizidalität gemacht werden und eine klare Vereinbarung getroffen werden.

Suizidhinweise und aktuelle Situation

  • Suizidhinweise wahrnehmen.
  • Hinweise aufgreifen, aktiv Kontakt suchen und Suizidgedanken ansprechen.
  • Auftreten von suizidalen Gedanken, Impulsen und Plänen schildern lassen, Häufigkeit und Zeitpunkt des Auftretens erfragen: Wie konkret sind die Suizidpläne?
  • Besteht eine innere Distanz zu den Gedanken und Impulsen oder ist der innere Druck so ausgeprägt, dass keine Distanzierung mehr möglich ist?
  • Wer weiß von den Gedanken und Plänen? Wie war die soziale Reaktion darauf?
  • Welche auslösenden Situationen liegen vor? Ängste, Enttäuschungen, Kränkungen etc. schildern lassen. Liegt ein Versagen vor?
  • Löst die Situation ein grundlegendes Gefühl von Abgelehntsein, Nichterwünscht-Sein, Im-Stich-gelassen-Werden aus?
  • Gab es bereits früher Suizidversuche? Was war die auslösende Situation?
  • Gibt es Ähnlichkeiten zur jetzigen Situation?
  • Wie ist das körperliche (Schlafen, Essen, Beschwerden) und seelische (vorrangiges Gefühl, psychische Symptome, Realitätsempfinden) Befinden?
  • Wie sind die Lebensumstände: Beruf, Finanzen, Partnerschaft, Familie?

Ressourcen und Unterstützungssystem

  • Fähigkeiten und Ressourcen des Klienten wahrnehmen, bestätigen, unterstützen, suchen, Verwirklichung anregen.
  • Soziale Unterstützung: Wer kann unterstützend wirken? Wie? (Angehörige, Freunde)
  • Professionelles Unterstützungsnetz: Wer sollte informiert und mit einbezogen werden in die Krisenintervention?
  • Wie ist der Kontakt/die Beziehung zum Berater? Was könnte dem Klienten helfen? Was ist sein Bedürfnis? Was müsste anders werden?

Krisenmanagement

  • Was braucht der Klient unmittelbar?
  • Krisenmanagement.
    • Für sich Gutes tun.
    • Problembearbeitung.
    • Was braucht der Klient mittelfristig?
    • Wie verlief das Gespräch für den Klienten?
    • Wie fühlt er sich jetzt?

An dieser Stelle ist ein zusammenfassender Kommentar des Beratenden sinnvoll, auch der Betroffene sollte seine Sicht zusammenfassen.

  • Terminvereinbarung, Besprechung des weiteren Vorgehens, Erreichbarkeit des Beraters bzw. des Krisendienstes, falls
    • sich das Befinden des Klienten in der Zwischenzeit verändert;
    • sich der Klient in der Zwischenzeit für einen Suizid entscheidet;
    • der Klienten Aktivitäten zur Vorbereitung eines Suizids aufnimmt.
  • Möglichkeiten zu telefonischem Kontakt anbieten und fix vereinbaren.
  • Stationäre Aufnahme:
    • als Schutz vor sich selbst, wenn Klient nicht sicher ist und die akute Gefahr einer Suizidhandlung besteht.
    • Wenn es Beratern nicht möglich ist, Kontakt zu bekommen.
    • Wenn eine Distanzierung vom sozialen Umfeld sinnvoll und notwendig ist.
    • Wenn das soziales Umfeld eher schädigend wirkt und die Suizidgefahr erhöht.
  • Einbeziehung eines Arztes (Psychiaters) zur diagnostischen Abklärung unklarer psychischer Probleme bei unterschiedlichen Störungen wie z. B. Psychosen, Suchtproblemen, phasenhaftem Verlauf von affektiven Störungen.

Literatur

  • Dorrmann, W. (2011): Suizid. Therapeutische Interventionen bei Selbsttötungsabsichten. Stuttgart.
  • Rupp, M. (2011): Psychiatrische Krisenintervention. Bonn.
  • Telefonseelsorge (2009): Niemand bringt sich gerne um. Handbuch für die Suizidprävention in der Telefonseelsorge als PDF-Datei herunterladen.
  • Telefonseelsorge (2016): Suizidprävention - Damit das Leben weitergeht. Acht Thesen zur Prävention als PDF-Datei herunterladen.
  • Wolfersdorf, M. (2000): Der suizidale Patient in Klinik und Praxis. Suizidalität und Suizidprävention. Stuttgart.

Internet

Letzte Aktualisierung: 13.04.2017